Letzte Woche habe ich aus heiterem Himmel diesen Blog ins Internet geworfen. So ganz ohne Vorwarnung. Mir nichts, dir nichts. Knall auf Fall. Und dabei habe ich mich noch nicht einmal bei Dir vorgestellt. Wie frech! Das wird schleunigst nachgeholt. Also, wer ist eigentlich diese Flunder?

Ich heiße Rebekka und bis vor einem Jahr nahm mein Leben einen anständigen Lauf. Mit 18 absolvierte ich mustergültig mein Abitur in der bayrischen Provinz und zog gleich darauf zum Studieren nach Leipzig. Diszipliniert büffelte ich mich durch sieben Semester Bachelor- und vier Semester Masterstudium, immer mit dem Ziel vor Augen einmal einen festen Arbeitsplatz, ein gesichertes Einkommen und einen 40 Stunden Bürojob zu haben. Zwischenzeitlich veröffentlichte ich ein Fachbuch und sammelte Berufserfahrung in unbezahlten Praktika. Das macht sich gut im Lebenslauf, hat man mir gesagt. Mit 24 hielt ich mein Abschlusszeugnis in der Hand. Das Studentenleben war vorbei, die Bewerbungsphase sollte beginnen und ich hatte keine Lust mehr. 

Mit starrem Tunnelblick habe ich jahrelang ein Ziel verfolgt, dessen Erreichen mich nicht glücklicher gemacht hat. Eigentlich hat es gar nichts in mir ausgelöst. Nach dem Studium kam die große Leere. Und nun habe ich gegen alle Vernunft meinen Karrierestart auf Eis gelegt und stecke mitten drin, in der ach so gefürchteten Lücke im Lebenslauf.

Die einfachen Dinge im Leben

Irgendetwas in mir sträubte sich, nach so vielen Jahren Schule und Studium nahtlos in das Berufsleben einzusteigen. Einen Alternativplan hatte ich jedoch auch nicht. Die coolen Kids haben gesagt, dass mit dem Reisen die Erkenntnis kommt. Das leuchtete mir ein. Ferne Länder und fremde Kulturen würden mir neue Perspektiven auf das Leben eröffnen. Und so packte ich kurzer Hand meinen Rucksack und flog mit meinem Freund Mike für ein paar Wochen nach Sri Lanka. Für Dich ist eine solche Reise wahrscheinlich etwas völlig normales. Aber du musst wissen, dass ich meistens eine zurückhaltende und wenig mutige Person bin. Es kostete mich viel Überwindung nur mit ein paar Groschen in der Tasche und ganz ohne Plan los zu reisen. Doch dieser Wagemut zahlte sich aus. Die Zeit in Sri Lanka war unglaublich spannend und schön. Reisen möchte ich definitiv noch viel in meinem Leben.

Allerdings habe ich unterwegs so viel erlebt, dass keine Zeit blieb, um in mich selbst hinein zu horchen. Zurück in Leipzig musste ich erst einmal an Geld kommen, um weiterhin meine Miete bezahlen zu können. Ich fing an als Kellnerin zu arbeiten. Und auch wenn diese Arbeit manchmal sehr anstrengend ist, tut mir der körperliche Ausgleich zum jahrelangen sitzen und büffeln gut. Und das Beste ist der Feierabend. Während dem Studium dachte ich in meiner Freizeit mit schlechtem Gewissen an die noch anstehenden Vor- und Nachbereitungen. Jetzt heißt es: Arbeit vorbei, Kopf frei!

Dadurch konnte ich mir im letzten Jahr viel Zeit für mich selbst gönnen. Ich habe mich getraut, neben meinem 30 Stunden Kellnerjob, einfach mal gar nichts zu machen. Keine Projekte, keine Pflichten und keine Zukunftspläne. Durch dieses Jahr Pause für meinen Kopf habe ich viel über mich selbst gelernt. Ich bin kein Mensch, der sich nach Geld, Macht oder Ruhm sehnt. Es sind die einfachen Dinge, die mich glücklich machen. An Blumen riechen, Katzen streicheln, Musik hören, Eis essen, knutschen oder einfach nur das Meer sehen.

Mehr Weg und weniger Ziel

Einen ultimativen Lebensplan habe ich nun immer noch nicht entwickelt, doch versetzt mich der Gedanke daran auch nicht mehr in Panik. Mir gelingt es immer besser Zukunftsängste abzulegen. Meine Lücke im Lebenslauf war bisher die schönste Zeit, die ich je hatte. Daraus habe ich gelernt, dass ich nicht immer alles bis ins kleinste Detail durchplanen muss. Ich glaube nicht, dass es schlecht ist sich Ziele zu setzen. Sie verleihen uns Antrieb und Energie. Wir sollten nur nicht alles andere aus den Augen verlieren, um unsere Ziele auf Biegen und Brechen zu erreichen. Denn vielleicht wartet am Wegesrand die ein oder andere Option, die uns auf Dauer glücklicher macht.

Ich für meinen Teil möchte weiterhin das einfache Leben genießen können. Dafür brauche ich weder großen Reichtum noch Ansehen in der Karrierewelt. Mir ist Zeit definitiv wichtiger als Geld. Ich möchte mich am Heute erfreuen, denn ein Morgen ist mir nicht gewiss. Wie es beruflich weiter geht, wird sich zeigen, denn ich bin der festen Überzeugung, das Leben sorgt für uns.

Jetzt hast Du einen ersten Eindruck von mir. Schreib mir doch in die Kommentare, wie Du über die Lücke im Lebenslauf denkst und was Du Dir weiterhin von diesem Blog wünscht. Ich bin schon ganz gespannt, wer sich so auf diese Seite verirrt. Du wirst nächsten Samstag wieder von mir lesen. Bis dahin wünsche ich Dir eine großartige Woche. Das Leben ist flunderbar! Die Welt ist flunderschön!

Sommer, Familie, Hochzeit: Die perfekte Szenerie für schöne Schnappschüsse. Danke an Thomas, meinen Schwiegervater in spe, der keine Gelegenheit zum Fotografieren auslässt.

15 Kommentare

  1. Fischersfritz 1. März 2018 at 7:01

    Auch Fischersfritz würde eine gefangene Flunder, nur weil sie eine Lücke im Lebenslauf hat, nichts zurück ins Meer geben. Oder doch?

    Antworte
    1. flunderbar 1. März 2018 at 8:55

      Flunder behalten oder freilassen, das ist hier die Frage.

      Antworte
      1. Fischersfritz 3. März 2018 at 12:05

        Na dann freilassen. Lang lebe die Flunder!

        Antworte
  2. Devakant 22. Februar 2018 at 10:58

    Hey Rebekka. Du schreibst so flunderbar….
    Vielleicht schreibst ja doch auch mal für unseren flunderbaren Shop *

    Alles & Liebe
    Devakant vom Biotop

    Antworte
    1. flunderbar 22. Februar 2018 at 12:41

      Lieber Devakant,
      danke für das nette Feedback. Ich übe das Schreiben hier noch ein bisschen als Hobby – vielleicht wird es ja dann doch mal wieder mein Beruf. 😉
      Wünsche Dir schon mal ein flunderbares Wochenende.
      Auf Bald!

      Antworte
  3. Anand Nilaph 20. Februar 2018 at 8:41

    Halli hallo
    Na Flundergirl 🙂
    Es ist wunderschön von dir zulesen -von deiner Lücke im Lebenslauf-
    Nun kenne ich dich schon so lange und bin nicht Überrascht!!! sondern freue mich .
    Wer hatt keine lücke im lebenslauf das ist doch genau das interessante die herausvorderung
    Unserem leben eine neue Richtung , Still ,leben zu geben und vielleicht zu erkennen was man eigentlich will!!!
    Freue mich das du so in der Luft herumschwirrst,nur keine angst,du schaffst das ………
    Wünsche dir noch eine schöne zeit

    Antworte
    1. flunderbar 20. Februar 2018 at 9:28

      Nili, mein Herz!
      Schön, dass du schreibst. Danke für deine netten und ermutigenden Worte.
      Ich hoffe Dir geht’s gut und du genießt das Leben ebenso.
      Vielleicht sehen wir uns zum Sommerfest.
      Bis dahin
      Gruß und Kuss von der Flunder

      Antworte
  4. Meri 18. Februar 2018 at 19:09

    Hey Bekka hier ist Meri, vielleicht kennst du mich noch 🙂 ich hab es genossen deinen Blogpost zu lesen ehrlich! Es ist einfach total interessant wie du damit umgehst und was dich bewegt oder zur leere führt. Ich freu mich einfach auf deinen nächsten post.
    Lg deine damalige Arbeitskollegin 😋

    Antworte
    1. flunderbar 18. Februar 2018 at 19:42

      Liebe Meri, das ist ja schön, dass du schreibst. Na klar erinnere ich mich an dich. So lange ist das ja jetzt auch noch nicht her.
      Außerdem verfolge ich immer deine fitten Instastories. Sehr bewundernswert für mich faule Socke.
      Ich versuche jetzt regelmäßig hier zu schreiben. Schau doch ab und zu mal vorbei.
      Ansonsten sehen wir uns ja vielleicht mal wieder im Birkenwald.
      Liebe Grüße und danke für das nette Feedback <3

      Antworte
  5. Johanna 17. Februar 2018 at 20:25

    Hej, ein schönes Blog hast du hier. (:

    Und die Lücke – die hab ich auch in meinem Lebenslauf und irgendwie auch das Gefühl, dass grad die Lücken uns erst interessant machen… Jetzt arbeite ich seit knapp zwei Monaten in ner Bib und das ist auch ok, finde ich – bei mir passt grad alles und ich finde es wichtig, dass es sich richtig anfühlt.

    Ganz liebe Grüße Johanna (die mit dir studiert hat, aber viel länger gebraucht – Lücke und so…)

    [Vielleicht laufen wir uns ja mal über den Weg? Ich wohne auch noch in Leipzig. (: ]

    Antworte
    1. flunderbar 18. Februar 2018 at 9:41

      Huhu 🙂
      Schön, dass du schreibst.
      Ich bereue die Wahl meines Studienfachs nicht und hatte meist eine schöne Zeit. Nur die letzten Semester waren einfach zu viel. Jetzt brauche ich erstmal Abstand davon, um vielleicht irgendwann mit frischem Kopf wieder einsteigen zu können.
      Welche Johanna schreibt denn da? Es gab ja mehr als eine.
      Lass uns gerne mal einen Kaffee trinken gehen 🙂

      Antworte
      1. Johanna 20. Februar 2018 at 15:18

        Hej,

        stimmt, das hatte ich schon wieder ganz vergessen – ich bin die Johanna P., also die eher ruhigere. 😉

        Also das mit den Semestern glaube ich dir sofort – ich hatte ja schon nach den Bachelor-Semestern voll die Macke… Hut ab für deinen Master.

        Kaffee oder Kakao, ich bin gern dabei. 🙂 Wir können uns ja via Facebook mal was ausmachen.

        Antworte
        1. flunderbar 21. Februar 2018 at 9:23

          Super, sehr gerne. Bis dahin hab eine flunderbare Zeit <3

          Antworte
  6. Ernster Fischmannbär 17. Februar 2018 at 10:18

    Ein sehr schöner Artikel. Ich erinnere mich nur allzu gern an meine vermeintlichen Ausrutscher in den 60er Jahren zurück. Hach, ich habe sicherlich eine dreistellige Anzahl von Butts verzaubert. Viele Flundern zwingen sich ja sichtlich in eine Flundiversität, ohne überhaupt Beine zu besitzen. Aber die Floßen werden bleiben – wenn auch irgendwann verkümmert, wie eine sehr alte Rosine.

    Antworte
    1. flunderbar 17. Februar 2018 at 10:30

      Freut mich, wenn dir mein Text gefallen hat, ernster Fischmannbär. Auch wenn ich dich nicht zu 100% verstehe, möchte ich zu meinen Rosinenflossen stehen, genau wie zu meiner Lücke im Lebenslauf.

      Antworte

Gib deinen Senf dazu

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.